Rohrzange

Eine Rohrzange ist ein verstellbares Handwerkzeug zum Greifen, Halten und Drehen von Rohren sowie geeigneten runden Rohrverbindungen. Sie kommt vor allem bei Sanitär- und Heizungsinstallationen sowie bei der Instandhaltung von Rohrleitungen zum Einsatz. Die gezahnten Greifbacken ermöglichen auch an runden Werkstücken die Übertragung hoher Drehkräfte.

Rohrzangen schwedischer Bauart werden umgangssprachlich häufig als Schwedenzangen bezeichnet. Je nach Konstruktion unterscheiden sich die Zangen in Maulform, Backenstellung, Einstellmechanismus und Greifkapazität. Weil die Zähne in die Oberfläche greifen, eignet sich nicht jede Rohrzange für jedes Rohrmaterial oder jede Armatur.

Aufbau und Funktionsweise einer Rohrzange

Typische Rohrzangen besitzen zwei gegeneinander bewegliche Zangenschenkel beziehungsweise einen Griff mit verstellbarem Greifmaul. Zu den wesentlichen Bauteilen gehören die Griffbereiche, das Gelenk oder die Führung, die gezahnten Greifbacken und die Vorrichtung zur Einstellung der Maulweite. Bei vielen schwedischen Rohrzangen erfolgt die Einstellung mit einer Rändel- oder Stellmutter.

Die Rohrzange nutzt die Hebelwirkung: Wird am Griff in der vorgesehenen Drehrichtung Kraft ausgeübt, pressen sich die Greifbacken gegen das Rohr. Bei selbstklemmenden Modellen verstärkt sich der Halt unter Belastung. Der Selbstklemmeffekt funktioniert nur, wenn Maulweite, Ansatz und Kraftrichtung stimmen. Soll das Rohr in die entgegengesetzte Richtung gedreht werden, muss die Zange gegebenenfalls neu angesetzt beziehungsweise umgedreht werden.

S-förmige Greifmäuler können mit einer Dreipunktanlage am Rohr arbeiten. Dabei stützt sich das Werkzeug an drei Kontaktbereichen ab. Versetzte und gehärtete Zähne verbessern bei dafür ausgelegten Modellen den Halt. Die konkrete Greifwirkung hängt jedoch immer von der jeweiligen Bauart und dem Zustand der Backen ab.

Welche Bauarten von Rohrzangen gibt es?

  • Rohrzange schwedischer Bauart: Eine verbreitete Ausführung mit Stellmutter und selbstverstärkender Klemmwirkung. Für diese Bauart gibt es die Norm DIN 5234.
  • Eckrohrzange mit 45 Grad oder 90 Grad Maulstellung: Das abgewinkelte Maul erleichtert je nach Einbausituation das Greifen an schwer zugänglichen Rohrverbindungen.
  • Rohrzange mit S Maul: Die S-förmige Backenkontur kann Rohre an mehreren Punkten umfassen und dadurch die Greifwirkung unterstützen.
  • Gerade Rohrzange: Eine andere verbreitete Konstruktion, etwa nach dem Stillson-Prinzip, mit verstellbarem Greifmaul für runde Werkstücke.
  • Rohrzange mit Schnellverstellung: Bei manchen Modellen lässt sich die Öffnungsweite direkt am Werkstück per Knopfdruck einstellen.
  • Kettenrohrzange: Eine Sonderform, die das Werkstück mit einer Kette umfasst. Sie wird unter anderem bei großen Rohrdurchmessern eingesetzt.

Diese Bezeichnungen schließen sich nicht aus. Eine Eckrohrzange kann beispielsweise zugleich ein S-förmiges Maul besitzen.

Rohrzange richtig einstellen und anwenden

Eine passende Maulweite und ein sicherer Sitz sind für die Funktion wichtig. Bei schwedischen Rohrzangen mit Stellmutter lässt sich das Greifmaul am Rohr einstellen. Die folgenden Schritte beschreiben das grundsätzliche Vorgehen; die Angaben des jeweiligen Werkzeugherstellers sind maßgeblich.

  1. Werkstück prüfen: Vor Beginn feststellen, ob Rohrmaterial, Oberfläche und Rohrdurchmesser für eine gezahnte Rohrzange geeignet sind.
  2. Passende Zange wählen: Die angegebene Rohrkapazität darf nicht überschritten werden. Die Zange muss am Einsatzort ausreichend Platz haben.
  3. Maulweite einstellen: Die Greifbacken so positionieren, dass sie das Rohr sicher umfassen und die vorgesehene Klemmwirkung entstehen kann.
  4. Richtig ansetzen: Das Werkzeug gerade und stabil am Rohr anlegen. Bei bestimmten Rohrzangen muss zwischen dem Schaft der Hakenbacke und dem Werkstück ein Spalt bleiben, damit die Zähne wirksam greifen.
  5. Kontrolliert drehen: Den Griff in der vorgesehenen Arbeitsrichtung betätigen, ohne ruckartige Bewegungen, seitliche Belastungen oder unnötige Gewalt.
  6. Bei Richtungswechsel neu ansetzen: Die Position der Zange entsprechend der Konstruktion ändern und den sicheren Sitz erneut prüfen.

Bei Rohrverschraubungen kann ein zweites geeignetes Werkzeug zum Gegenhalten nötig sein. Dadurch lässt sich vermeiden, dass die Drehkraft auf andere Rohrverbindungen oder auf nicht dafür vorgesehene Bauteile übertragen wird.

Größen, Spannweite und Auswahl

Rohrzangen sind in unterschiedlichen Längen und Greifkapazitäten erhältlich. Eine längere Zange bietet in der Regel einen größeren Hebelarm, benötigt aber mehr Platz und kann höhere Kräfte auf das Werkstück übertragen. Die Spannweite beziehungsweise Rohrkapazität ist deshalb für die Auswahl wichtiger als die Grifflänge allein.

Die Unterschiede zeigen sich an konkreten Herstellerangaben: Eine KNIPEX Rohrzange mit S Maul in etwa 245 mm Gesamtlänge ist beispielsweise für einen Rohrdurchmesser bis 35 mm ausgewiesen. Bei einer anderen KNIPEX Rohrzange mit 45 Grad Maulstellung und 320 mm Gesamtlänge beträgt die angegebene Rohrkapazität 42 mm. Diese Werte gelten nur für die jeweiligen Ausführungen und sind keine allgemeingültigen Größenklassen.

Bei Angaben in Zoll ist darauf zu achten, ob sich die Zahl auf eine Rohrnennweite, die Werkzeuggröße oder den tatsächlich maximal greifbaren Außendurchmesser bezieht. Für die Werkzeugauswahl sollte daher immer das technische Datenblatt des konkreten Modells herangezogen werden.

Einsatzgebiete und Grenzen

Rohrzangen werden zum Halten und Drehen geeigneter Gewinderohre und runder Rohrverbindungsstücke eingesetzt. Besonders bei belastbaren Metallrohren kann ihre kräftige Klemmwirkung nützlich sein. Entscheidend sind aber stets der Werkstoff, die Wandstärke, die Oberflächenbeschaffenheit und die zulässige Belastung der Verbindung.

Vorsicht bei empfindlichen Oberflächen: Gezahnte Backen können verchromte Armaturen, lackierte Rohrteile, Messing- und Kupferoberflächen sichtbar beschädigen. Dünnwandige Rohre können durch zu hohen Anpressdruck eingedrückt oder oval verformt werden. Für empfindliche Überwurfmuttern und Armaturen kommen beispielsweise passende Maulschlüssel, Armaturenzangen, Schonbacken oder Gurtrohrzangen infrage.

Auch bei Kunststoffrohren und modernen Steck- oder Pressverbindungen ist eine gewöhnliche Rohrzange nicht automatisch das richtige Werkzeug. Eine Rohrzange ersetzt weder die für eine Verbindung vorgesehenen Montagewerkzeuge noch die Herstellervorgaben. Arbeiten an Gasleitungen oder anderen sicherheitsrelevanten Installationen gehören in die Hände entsprechend qualifizierter Fachkräfte.

Weiterführende Informationen zu Materialien und Verbindungsarten bietet der Belali-Ratgeber Installationsrohre für Trinkwasser und Heizung.

Unterschied zwischen Rohrzange und Wasserpumpenzange

Beide Werkzeuge besitzen verstellbare Greifbacken und können runde Werkstücke halten. Eine Rohrzange schwedischer Bauart wird häufig über eine Stellmutter eingestellt und kann unter Belastung eine selbstverstärkende Klemmwirkung erzeugen. Die Wasserpumpenzange besitzt dagegen üblicherweise ein verstellbares Gleitgelenk mit mehreren Rastpositionen oder einer Feinverstellung.

Wasserpumpenzangen sind vielseitige Greifwerkzeuge, während Rohrzangen speziell für das Drehen und Festhalten geeigneter Rohre konstruiert werden. Beide Werkzeugarten können mit gezahnten Backen Oberflächen beschädigen. Bei empfindlichen Verbindungen sind schonende Spezialwerkzeuge sinnvoll.

Sicherheit und Pflege

  • Die Rohrzange vor jeder Verwendung auf beschädigte, verbogene oder rissige Teile und abgenutzte Zähne prüfen. Beschädigte Zangen nicht verwenden.
  • Rohr und Werkstück sicher abstützen. Für einen festen Stand und genügend Bewegungsraum sorgen.
  • Je nach Arbeitssituation geeignete persönliche Schutzausrüstung, insbesondere Augenschutz, verwenden.
  • Rohrzangen nicht durch aufgesteckte Rohre oder andere Griffverlängerungen überlasten. Wenn mehr Kraft erforderlich ist, ein hierfür geeignetes größeres Werkzeug oder eine andere fachgerechte Lösung wählen.
  • Nicht mit dem Hammer auf den Zangengriff schlagen. Die Rohrzange auch nicht als Hammer, Hebezeug oder Biegewerkzeug zweckentfremden.
  • Die Greifbacken sauber halten. Öl, Fett und andere Rückstände von den Griffbereichen entfernen; bewegliche Teile nach Herstellerangabe pflegen.
  • Bei einer blockierten oder festkorrodierten Verbindung keine unkontrollierte Gewalt anwenden. Vor dem Lösen prüfen, ob die Leitung drucklos ist und gefahrlos bearbeitet werden darf.

Häufige Fragen zur Rohrzange

Kann eine Rohrzange glatte oder verchromte Rohre beschädigen?

Ja. Gezahnte Greifbacken halten häufig dadurch, dass sie sich in die Oberfläche drücken. Das kann Kratzer, Druckstellen und bei dünnwandigen Rohren auch Verformungen verursachen. Für sichtbare Armaturen und empfindliche Werkstücke sollten geeignete, oberflächenschonende Werkzeuge verwendet werden.

Welche Rohrzange ist für enge Arbeitsbereiche geeignet?

Bei begrenztem Platz können Eckrohrzangen mit abgewinkeltem oder besonders schlankem Maul hilfreich sein. Welche Maulstellung geeignet ist, hängt von der Lage des Rohrs und der erforderlichen Drehrichtung ab.

Ist eine Rohrzange dasselbe wie eine Wasserpumpenzange?

Nein. Die Werkzeuge überschneiden sich zwar beim Greifen von Rohren, unterscheiden sich aber üblicherweise in der Konstruktion und der Einstellung der Greifbacken. Die Rohrzange ist für das Halten und Drehen geeigneter Rohre ausgelegt; Wasserpumpenzangen besitzen typischerweise ein verstellbares Gleitgelenk.

Quellen und fachliche Grundlagen

Die technischen Beschreibungen beruhen auf Angaben von Werkzeugherstellern und auf der einschlägigen Norminformation. Einzelne Produktmerkmale und Greifkapazitäten gelten nur für die jeweils genannten Modelle.